Interview des SHZ / Husumer Nachrichten mit dem Bürgermeister aus Löwenstedt aus 08.2025 (von Karina Dreyer)
„Das Miteinander ist wichtig“
Löwenstedt ist unter anderem Vorreiter in Sachen Internet – Bürgermeister Holger Jensen über die Gründe
Löwenstedt Löwenstedt ist ein bundesweiter Vorreiter in Sachen Breitbandzugang nach dem Solidarprinzip. Landwirt Holger Jensen ist seit 2013 Bürgermeister der Gemeinde mit 710 Einwohnern. Der 63-Jährige setzt mit seinen Gemeindevertretern auf Netzwerk und geht manchmal gerne andere Wege für die Gemeinschaft.
Löwenstedt hat einen großen Sportverein mit den Haupt-Sparten Fußball und Reiten. Wie finanziert eine kleine Gemeinde einen Kunstrasenplatz und zwei Reithallen?
Unser Sportverein Blau-Weiß Löwenstedt wird von vielen getragen. Er hat 950 Mitglieder aus den umliegenden Gemeinden. Behrendorf, Bondelum, Haselund, Löwenstedt, Norstedt und Sollwitt unterstützen den Verein zudem finanziell. Im Vorstand sind deshalb auch Vertreter aus den anderen Gemeinden. So konnten wir beispielsweise den Kunstrasenplatz für 900.000 Euro, unter anderen mit Landesmitteln, in die Tat umsetzen. Dafür haben wir auf ein neues Schwimmbad verzichtet und nutzen das in Haselund mit. An der Stelle des Bades ist die Löwenstedter Mitte mit Bouleplatz, Hütte, Beachvolleyballplatz und Sportgeräten entstanden.
Das Miteinander ist wichtig, denn das braucht man, um sicher in die Zukunft zu gehen. In diesem Monat wird auch ein Ebbe- und Flut-Reitplatz für rund 450.000 Euro in Betrieb genommen, die Gemeinde steuert 200.000 Euro hinzu und Bürger haben 118.000 Euro dafür gespendet. Der Rest wird über Förderung finanziert.
Wie ist Löwenstedt finanziell aufgestellt?
Die Gemeinschaft leistet viel in Eigenarbeit und die Gemeindevertretung weiß noch aus anderen Zeiten, dass man auf jeden Cent gucken muss. 2008 ging das los mit der Windkraft, ab 2012 floss das Geld und wir durften uns trauen, was auszugeben. Seit 2023 werden 20 Kilometer der Straßen aus den 1960er Jahren nach und nach neu asphaltiert, bislang auf einer Länge von acht Kilometern, in diesem Jahr zwei Kilometer.
In den 90er Jahren gab es noch die Grundschule in Löwenstedt, die hat heute ihren Standort in Haselund. Das Gebäude haben wir in eine Kita umfunktioniert, in die heute 95 Kinder gehen. Seit kurzem ist sie ein zertifizierter offener Kindergarten mit Werkraum, Bewegungsraum und Atelier, als einziger hier in der Umgebung. Insgesamt haben wir im Laufe der Jahre rund 1,5 Millionen Euro mit Haselund zusammen investiert. Und draußen vor der Kita wurde ein neuer Bauwagen für eine Naturgruppe angeschafft, Start ist Anfang September.
Die Gemeinde hat auch eine eigene Gastwirtschaft. Wie läuft das?
Die Gastwirtschaft Friedensburg haben wir 2022 gekauft, das läuft supergut mit der Betreiberin. Die Akzeptanz ist groß, auch in den Nachbargemeinden. Wir möchten deshalb nun die Gastwirtschaft energetisch sanieren und modernisieren. Sie soll einen Clubraum samt Wintergarten für 50 Leute hinzubekommen und im Saal bodentiefe Fenster.
Die Betreiberin könnte sich auch vorstellen, in der ehemaligen Durchfahrt, dort wo früher die Tiere angeliefert und gewogen wurden, etwas Besonderes für andere Veranstaltungen zu schaffen. Das geht los ab Herbst, läuft über drei Jahre und wird rund eine Million Euro kosten.
An vielen Orten entstehen neue Feuerwehrhäuser, wie sieht das hier aus?
Der Sportverein und die Feuerwehr sind Nachbarn auf einem Grundstück. Wir haben uns deshalb für eine Überdachung und Verbindung entschieden, dann könnten die gemeinsam die Duschen des Sportlerheims nutzen. Da müssen wir aber erst abklären, ob das machbar ist. Wir haben einen Bauantrag gestellt.
Wie sieht das mit Baugebieten in Löwenstedt aus?
Derzeit nicht, wir haben uns da für einen einfachen Weg entschieden und versorgen die eigene Nachkommenschaft bei Bedarf. Das bedeutet, wir haben seit 2013 fünf kleinere Baugebiete zwischen drei und neun Wohneinheiten geschaffen und werden es auch künftig so halten.
2013 entstand in einem Pilotprojekt der Breitbandzugang nach dem Solidarprinzip. Löwenstedt war damals ein bundesweiter Vorreiter. Wie sieht die Versorgung heute aus?
Das sieht heute immer noch gut aus, fast 100 Prozent der Haushalte sind mit Breitband versorgt. Das geschah damals im Zuge der Nahversorgung mit Biogas-Fernwärme, daran sind heute 78 Haushalte angeschlossen. Um das noch zu erweitern, bereitet die Gemeinde derzeit eine Machbarkeitsstudie vor, ein Quartierskonzept haben wir ja bereits. Das da mit einfließen kann.

Quartierskonzept der Gemeinde Löwenstedt
Unter dem nachfolgenden Link kann das in 2024 erarbeitete und hier anhängende Quartierskonzept der Gemeinde Löwenstedt eingesehen werden. Dies ist zwischenzeitlich durch die Gemeindevertretung angenommen worden. Fragen dazu beantwortet gerne der Bürgermeister Holger Jensen:
